Dondorf Druckerei geräumt – “Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“

Heute, am 12. Juli, um 6:30 wurden die Bewohnerinnen der Dondorf-Druckerei von maskierten Männern des hessischen Sondereinsatzkommandos mit gezogenen Waffen geweckt und aus ihren Betten gezerrt. Damit wurden sie ihrem Grundrecht, der Unverletzlichkeit der Wohnung, beschnitten. Das ist eine Gewalterfahrung. Eine Person überwies der Goethe-Universität, die das Nutzungsrecht des Gebäudes innehat, Miete. Mehr als 30 Personen befinden sich in Polizeigewahrsam. Einige Bewohnerinnen wurden von der Polizei sogar nach Darmstadt
gebracht. Es müssen Konsequenzen für die Verantwortlichen folgen!

Verantwortlich für die Räumung ist zum einen das Präsidium der Goethe-Universität, namentlich Präsident Enrico Schleiff und Sebastian Keil, Leiter des Leitungsbüros. Zum anderen die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, die Mitglied der Grünen ist.


Für den Erhalt des Gebäudes, das einer jüdischen Familie gehörte, kämpfen Anwohnerinnen des Stadtteils Bockenheim in Frankfurt bereits seit 2006. Es ist ein Industriedenkmal, genauso wie es an die Verfolgung von sechs Millionen Jüd*innen und Juden erinnert. Die Mitglieder Familie Dondorf wurden verfolgt, ermordet und in den Selbstmord getrieben. Nun soll auch die letzte Erinnerung an sie weichen. Deutschland, der Erinnerungsweltmeister, entledigt sich
wieder einmal jeder Schuld. Das ist ein politischer Skandal und zeugt von Geschichtsvergessenheit der handelnden Akteurinnen.

Nicht nur ist die Räumung aus rechtsstaatlicher Perspektive problematisch, auch die demokratischen Gremien der Goethe-Universität wurden übergangen. Erst im Frühjahr, nach der gewaltsamen polizeilichen Räumung der Hörsaalbesetzung im Dezember 2022, hatte der Senat, das höchste politische Gremium der Goethe-Universität, ein Beschluss verabschiedet, der erklärt, dass die Universität ein gewaltfreier Raum des Dialogs sei, in der die Sicherheit aller zu gewährleisten sei. Dieser Beschluss war eine Reaktion auf die massive Kritik an dem Polizeieinsatz auf dem Campus, der sich gegen die eigenen Studierenden richtete. Der Leiter des Leitungsbüros, Sebastian Keil und Präsident Schleiff setzen sich heute über diesen Senatsbeschluss hinweg, indem sie erneut statt des Dialogs der Weg der polizeilichen Räumung wählen.

Dies geschieht insbesondere, nachdem wir, Die Druckerei für Alle!, erst gestern alle Akteurinnen erneut angesprochen, zum Dialog und zu weiteren Verhandlungen eingeladen hatten. Die Reaktion der Universität auf dieses Dialogangebot sehen wir heute: die gewaltsame
Räumung.


Der Vorstand des Frankfurt Kreisverbandes der Grünen ist außerdem gestern, also Dienstag, den 11.07., auf uns zugekommen, um gemeinsame Gespräche mit Angela Dorn, der verantwortlichen Ministerin der Grünen auf Landesebene zu arrangieren. Dabei sollten auch das Max-Planck-Institut (MPI), das selbst in den Nationalsozialismus verstrickt war, und die Initiative Kulturcampus Bockenheim sowie die fachliche Perspektive durch Architektinnen vertreten sein, um über die Nutzung und den Erhalt des Gebäudes zu sprechen. Wie sich Angela Dorn und die Grünen ein solches Gespräch vorstellen, während ihre Gesprächspartnerinnen zugleich mit ihrem Wissen und ihrer Zustimmung gewaltsam durch die Polizei geräumt werden, bleibt unklar.

Angela Dorn bleibt sich mit diesem Vorgehen gegen einen zentralen Erinnerungsort für die jüdische Geschichte Frankfurts treu in ihrer mangelnden Solidarität gegenüber jüdischen Menschen in Hessen. Schon während des Documenta-Skandals in Kassel letzten Jahres hatte sich die Ministerin lange zurückgehalten und wollte auf die Antisemitismus-Vorwürfe partout nicht eingehen. Erst nach großem öffentlichem Druck und zahlreicher Kritik seitens jüdischer Organisationen konnte sich dazu durchringen, nicht ohne trotzdem gleichzeitig noch die großartige Arbeit der verantwortlichen Organisatorinnen zu loben.

Zudem steckt das 150 Jahre alte Druckerei-Gebäude voller Grauer Energie. Gemeint ist damit die Energie, die bereits aufgewendet wurde, um das Gebäude zu bauen und zu erhalten und die darin gebunden ist. Mit einem Abriss und dem geplanten Neubau würden, nach Architects for Future, deutlich über einer Millionen Kilogramm CO₂ auf einmal ausgestoßen werden, die auch durch einen energieeffizienteren Neubau nur zu ca. 50 Prozent wieder eingespart werden könnten. Sanierung ist ökologischer als Neubau!


Dass dieses Gebäude rein fachlich erhalten bleiben kann und stabil ist, wurde in den letzten Wochen mehrfach durch Architektinnen und Bauunternehmerinnen bestätigt. Dass Angela Dorn, als Ministerin der Grünen, offensichtlich kein Interesse an diesen ökologischen
Aspekten und der Schaffung von kulturellen Räumen hat, ist schockierend und bezeichnend.


Die Räumung des Gebäudes und der Menschen, die dort wohnten, hat zum jetzigen Zeitpunkt keinen ersichtlichen Grund. Es fanden dort bereits seit Wochen täglich Veranstaltungen und Führungen statt, es gab ein freundliches und solidarisches Verhältnis mit den Mitarbeiter*innen des ansässigen Archivs der Goethe-Universität und keine Vorfälle, die eine Gefährdung von Menschen oder dem Gebäude implizieren könnten. Die Übergabe des Gebäudes an das MPI hätte frühestens im November 2023 stattfinden sollen, nun wird es bis dahin leer stehen.


Wir dagegen haben durch die Nutzung gezeigt, dass diese Freiräume hier in Frankfurt gebraucht werden. Die verantwortliche Ministerin Angela Dorn und die Universität haben jedoch gezeigt, dass sie kein Interesse an einer ökologischen Bauwende, an der Erinnerung jüdischen Lebens in Frankfurt und der Schaffung von kulturellen Räumen haben.


Das MPI hat ebenfalls gezeigt, wie es sich seinen Einstand hier in Bockenheim vorstellt. Mit dieser autoritären Durchsetzung, gegen den demokratischen Willen des Ortsbeirats und der Initiativen hier in Bockenheim und der Menschen, die hier leben, ist fraglich, wie sich das MPI eine Zusammenarbeit mit dem geplanten Kulturcampus vorstellt. Dieser Kulturcampus entsteht nur aufgrund von Protesten und Initiativen wie unseren. Was das MPI davon hält,
haben sie deutlich gezeigt. Nämlich nichts.

  1. Wir fordern, dass die gewaltsame Räumung Folgen für die Verantwortlichen haben muss. Angela Dorn und das Präsidium der Goethe-Universität müssen zurücktreten.
  2. Wir sehen auch, dass die Dondorf-Druckerei noch nicht verloren ist. Wir fordern weiterhin, wie dies unter anderem der Ortsbeirat Bockenheim beschlossen hat, ein Abrissmoratorium für das Gebäude. Diese Beschlussvorlage liegt im Bauausschuss der Stadt Frankfurt. Die Stadtverordneten sind nun zum Handeln gezwungen – sie können den Erhalt des Gebäudes sichern und auch sie tragen Verantwortung.
  3. Dann fordern wir das Land Hessen auf, sich der klima- und erinnerungspolitischen Verantwortung zu stellen und dem MPI ein anderes Grundstück zuzuweisen.


Heute Abend wird es um 19 Uhr für es eine Demonstration auf dem Bockenheimer Campus
stattfinden. Wir laden alle Menschen herzlich sich für den Erhalt der Dondorf-Druckerei
einzusetzen.


Das ist ein Skandal auf allen Ebenen. Wir sind erschütternd und wütend. Viele unserer Freund*innen haben Gewalt von Seiten des Staates erlebt.“, sagt Lukas Geisler, Sprecher der Druckerei. „Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Druckerei steht exemplarisch für vieles, was gerade schiefläuft: eine enttäuschende Klimapolitik und autoritäre Trends – im Staat und in der Gesellschaft. Mit Blick auf die Landtagswahl haben die Grünen abermals gezeigt, dass sie nicht auf der Seite der aktiven Zivilgesellschaft stehen.“


„Schon vor Monaten hatte sich der Ortsbeirat Bockenheim gegen einen Abriss ausgesprochen. Initiativen in Bockenheim fordern schon lange ein Mitspracherecht ein. Das autoritäre Vorgehen der Universität des Landes Hessen ist massiv undemokratisch.“ Sagt Gianna Thiele, Sprecherin der Druckerei. „Das Max-Planck-Institut kann sich seinen Platz im Herzen des Kulturcampus nicht polizeilich erzwingen. Dass Menschen einen willkommen heißen, kann man so nicht erwarten. Eines ist klar, so wollen wir euch hier sicher nicht!”

Goethe-Universität bricht einseitig Gespräche ab

Heute am 10.07.23 gegen 16 Uhr veröffentlichte die Goethe Universität Frankfurt eine Pressemitteilung, in welcher sie die aktuelle Situation der Druckerei adressierte und uns zum Verlassen der historischen Dondorf Druckerei aufforderte. In der Pressemitteilung heißt es, dass ein zweites Gespräch stattgefunden hat. Das können wir nicht bestätigen. Was genau der „Dialogprozess“ nach dem einseitigen Abbruch der Gespräche sein soll, bleibt ebenfalls unklar.


Nach unserem ersten und bisher einzigen Gespräch mit den Vertretern der Goethe-Universität, des Landes Hessen und des Max-Planck-Instituts, verblieben wir mit einem ausstehenden Folgetermin für die offiziellen Verhandlungen. Zu einem solchen ist es bis zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht gekommen.

Stattdessen erreichte uns kurzfristig eine Mail mit einer Ankündigung eines unmittelbar bevorstehenden Besuches seitens der Goethe-Universität. Um 12:21 teilte uns Sebastian Keil, Leiter des Leitungsbüros der Goethe-Universität, mit, dass er um 13 Uhr vor Ort sein wird.

Diesen Termin konnten wir aufgrund der Spontanität nicht wahrnehmen. Wir bedauern, dass dementsprechend bisher keine Folgegespräche stattfinden konnten. Diese können nur mit einer weiter im Voraus stattfindenden Terminplanung erfolgen. Entgegen der Pressemitteilung der Goethe-Universität haben bisher keine weiteren Gespräche mit uns stattgefunden.

Deswegen verbleiben wir mit den Zusagen der ersten Gespräche, in denen uns ein weiterer Dialog versichert wurde. An diese Zusage wollen wir alle Beteiligten erinnern und haben die
Verantwortlichen zu weiteren Verhandlungen mit folgender Mail eingeladen:


„Sehr geehrtes Präsidium der Goethe-Universität,
sehr geehrtes Max-Planck-Institut, sehr geehrtes Land Hessen,
angesichts der ersten positiven Verhandlung und der gemeinsamen Absicht, die Treffen fortzusetzen, möchten wir gerne den Folgetermin mit Ihnen festlegen. Der heute Mittag mitgeteilte Termin war leider zu kurzfristig, sodass niemand von uns anwesend sein konnte.


Angesichts des großen Anklangs im Stadtteil und der regen Beteiligung vieler Initiativen, Gruppen und Studierenden würden wir uns freuen, Sie bei der Ausgestaltung der Weiternutzung einzubinden. Wie besprochen teilen wir Ihnen vorab mit, dass sich bezüglich der Organisation der aktuellen Nutzung der Atelier- und Wohnräume eine
Lösung gefunden hat. Unter der unten genannten Adresse erreichen Sie unsere Vertreter, die sich um die Verwaltung der von Einzelpersonen und unabhängigen Gruppen genutzten Räume kümmern.


Bitte machen Sie uns zwei Terminvorschläge, wir laden Sie gerne zu uns ein.


Mit freundlichen Grüßen
Die Druckerei“


Wir arbeiten weiter mit unterschiedlichsten Initiativen, Nachbarinnen und Studierenden an dem Aufbau Der Druckerei für Alle! – der einzige Weg das historische Gebäude zu erhalten!

Sollte es trotz allem zu einer Räumung kommen, werden wir gemeinsam mit allen Unterstützerinnen, am selben Tag um 19 Uhr am Campus Bockenheim zusammenkommen und
unseren Protest auf die Straße tragen!


„Die Professionalität von Sebastian Keil und des ganzen Präsidiums der Goethe-Universität lässt aus unserer Sicht zu wünschen übrig. Mit solchen Kurzschlussreaktionen wird jeder Dialog vereitelt.“, sagt Lukas Geisler, Sprecher der Druckerei. „Wir fordern die Goethe-Universität, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen auf, sich der klimapolitischen Verantwortung zu stellen und einen Abriss mit einem sofortigen Moratorium zu verhindern. Nur so kann in Ruhe und im Dialog über die Zukunft der Dondorf-Druckerei zusammen nachgedacht werden.“


„Schon vor Monaten hatte sich der Ortsbeirat Bockenheim gegen einen Abriss ausgesprochen. Das wird bisher ignoriert. Die Menschen aus dem Stadtteil, unzählige Initiative aus der ganzen Stadt unterstützen die Erhaltung und nutzen die Räumlichkeiten als Ateliers, Proberäume und Veranstaltungsort.“, sagt Gianna Thiele, Sprecherin der Druckerei. „Die Entscheidung über die Zukunft der Druckerei sollten die Menschen aus Frankfurt selbst treffen können. Das ist unsere Stadt – und diese lassen wir uns nicht nehmen.”

Programm-Übersicht in der Druckerei 04.07-11.07

Falls ihr Euch gefragt habt, was so in nächster Zeit in der Druckerei abgeht, hier eine kleine Übersicht der aktuellen Programmpunkte (Änderungen vorbehalten).

Grundsätzlich gilt weiterhin: kommt vorbei, wie ihr lustig seid, bringt Euch ein, oder seid einfach da und genießt den fantastischen Haus-Besetzungs-Sommer mit uns!

04.07. ab 16 Uhr
Linol-Druck (Material vorhanden, come as you are)
“Druck in der Druckerei”

05.07. von 19 – 21 Uhr
offene Probe SHE Choir FLINTA* only

06.07. ab 19.30 Uhr
offene Probe Roter Stern Chor
“Trällern und Trinken”

07.07. von 17 – 19 Uhr
Capoeira für Groß & Klein.
Bitte Turnschuhe und Sportklamotten mitbringen

09.07. ab 11 Uhr
Yoga mit Anleitung

09.07. – Vernissage-Sonntag
Ausstellungseröffnungen von
fez (Feministische Zusammenkunft)
&
lily gothe – I need space

09.07., 20.15 Uhr
Filmvorführung in Gedenken an zwei gefallene Kämpfer in Rojava: “Bakur North”

10.07. ab 19 Uhr
offene Probe des akademischen Arbeiter*innenliederchors

11.07. ab 19 Uhr
öffentliches Programm-Plenum – bringt Euch ein!

11.07. von 18 – 20 Uhr
ror Trommelworkshop im Keller

11.07. ab 21 Uhr
Film-Abend in der Druckerei:”Dr. Strangelove – How I Learned To Stop Worrying And Love The Bombe”

Die Druckerei lebt!

Die Druckerei steht und lebt!

Programm für die nächsten Tage
heute, 28.06.2023:
18 Uhr Aerobic gegen Abriss

morgen, 29.06.2023:
ab 15 Uhr Hofflohmarkt, Kleidertauschparty und Musik

Freitag, 30.06.2023
ab 19 Uhr Antifa-Kneipe
(Vortrag und Diskussion zu Community Accountability mit e*space)

Morgen, Donnerstag den 29.06. finden erste Verhandlungen mit den Stakeholdern des Gebäudes der Dondorf-Druckerei statt. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Rechte Bedrohung

Die Besetzung wurde die letzten zwei Tage geduldet, jedoch wurden Menschen des Kollektivs bedroht und angegriffen. Die Angreifer, die zum Haus gekommen sind und dort die von außen angebrachten Transparente und von Besucher:innen gemalten Bilder abgerissen haben, konnten als Mitarbeiter der Goethe-Universität identifiziert werden. Dabei fiel auch der Satz „diese Leute sollte man totschlagen“. Eine der Personen hatte eine offen getragene Tätowierung, welche der rechten Szene zuzuordnen ist.
Als die Personen ein zweites Mal zum Haus kamen, haben sie die Menschen, die sich zurzeit auf dem Hof befanden, verbal attackiert und mit einem Cuttermesser bedroht. Sie konnten sich keinen Zutritt zum Gelände verschaffen.

Hannes, Sprecher des Bündnisses sagt: „Der Umstand, dass Uni-Mitarbeiter eine Besetzung aktiv bedrohen und Angst verbreiten, ist ein sehr bedenklich. Wir werden hier offen angefeindet dafür, dass wir einen neuen für Alle zugänglichen Freiraum erschaffen wollen. Dass die Uni Personen einstellt, welche offensichtlich rechtextremes Gedankengut teilen, wurde bereits öfters vom Asta kritisiert. Wir lassen uns aber nicht einschüchtern und werden unser geplantes Programm zur Belebung dieses Gebäudes weiterführen.“

Heute Abend um 18:00 Uhr sind Interessierte zu einer historischen Führung von der Bürgerinitiative zur Erhaltung der Dondorf-Druckerei eingeladen.

Die Dondorf-druckerei ist besetzt!

Im Herzen Bockenheims, direkt am alten Campus, steht seit 1890 das alte Industriegebäude, das vielen als Dondorf-Druckerei bekannt ist. Seit den 1970er Jahren nutzt die Goethe Universität das Gebäude. Nun soll das Max-Planck-Institut für Empirische Ästhetik das Grundstück bekommen – und das Max-Planck-Institut (MPI) will die Dondorf-Druckerei abreißen!

Widerstand dagegen leisten nicht nur wir, auch im Ortsbeirat 2 Bockenheim wurde das MPI in großer Mehrheit dafür stark kritisiert. Seit Jahren setzen sich Anwohnende mit allen Mitteln gegen den Abriss des historischen Gebäudes ein. Dies wird jedoch sowohl vom MPI als auch von der Stadt und Universität ignoriert.

Da trotz allem der Abriss des Gebäudes bevorsteht, nehmen wir den Erhalt, Umbau und die Nutzung in unsere Hände.

Die Universität und die Stadt müssen in Anbetracht der Klimakrise, wachsender Verdrängung und der extrem hohen Wohnungslosigkeit in Frankfurt eine völlig andere Wohnungs- und Baupolitik betreiben.

Doch solange sie das nicht tun, müssen wir selbst für eine soziale und klimagerechte Stadt sorgen.

Die ehemalige Dondorf-Druckerei ist voller grauer Energie. Es sind schon viele Ressourcen in dieses leerstehende Gebäude geflossen. Deshalb ist die Sanierung und Nutzung der Altgebäude aus Klimagerechtigkeitsperspektive essenziell. Doch nicht nur aus ökologischer Perspektive ist der Abriss und Neubau dieser Gebäude völlig irrational. Auch für den Stadtteil Bockenheim und seine Einwohner*innen tragen Neubauten wie diese – und jene, die auf dem alten Campus Bockenheim geplant sind – zu einem Verlust an öffentlichem Raum, zu einer sich seit Jahren zuspitzenden Gentrifizierung und Verdrängung bei.

Jeder Zentimeter Freiraum und Wohnraum muss teuer erkauft oder erkämpft werden. Die Stadt hat Raum und Geld für Banken und Bürotürme, für allerhand Luxuswohnungen – nicht aber für den Erhalt von historischen Gebäuden, nicht für günstigen Wohnraum und auch nicht für nicht- kommerzielle Orte. Stattdessen soll nun ein weiterer riesiger Neubau hinzukommen, der, anstatt den Einwohner innen Raum zur Organisation, Gestaltung und gemeinsamen Nutzung zu geben, ein Prestigeprojekt bildet, dass eine kulturelle Elite anziehen soll.

1. Wir fordern ein Abrissmoratorium für die Dondorf-Druckerei!

Nach Schätzungen von Architects for Future (A4F) liegt der CO₂-Gehalt des bestehenden Gebäudes sowie die CO₂-Emissionen, die der Abriss der Dondorf-Druckerei verursachen würde, als auch die Konstruktion des geplanten neuen Gebäudes, bei deutlich über einer Million Kilogramm CO₂. Wir alle wissen: Jedes Kilogramm CO₂ ist ein Kilogramm zu viel! Wir befinden uns bereits mitten in der Klimakrise. Ihre Auswirkungen spüren bereits insbesondere marginalisierte Menschen, Menschen in Armut und jene, die von Diskriminierung betroffen sind. Ein solches Projekt ist blanker Hohn gegenüber allen bereits Betroffenen und zeugt von der Unfähigkeit der Politik zur langfristigen Planung und ihrem Interesse an Prestige und Kapital statt an einer lebenswerten, nachhaltigen Gestaltung der Stadt für alle.

Daher ist der Abriss der Dondorf-Druckerei sowie der Neubau eines Gebäudes, der mal eben 1 200 Tonnen CO₂ durch eine einzige Baumaßnahme verursachen würde, generell abzulehnen.

Der Energieverbrauch vom Gebäudeabriss dieser Art ist durch den Verlust der Grauen Energie so hoch, dass auch eine energieeffizientere Heizung etc. später nur circa 50% davon wieder einsparen können. Erhaltung ist ökologischer als Neubau!

2. Statt die Dondorf-Druckerei abzureißen, wollen wir ein kulturelles Zentrum für Alle entstehen lassen: Die Druckerei!

Der historische und kulturelle Wert des Industriegebäudes ist enorm und fordert dazu auf, es als letztes Stück der Bockenheimer Industrieepoche zu erhalten und als öffentlich zugängliches Zentrum mit historischen Dauerausstellungen in den geplanten Kulturcampus einzubinden.

Zuletzt wurde die Dondorf-Druckerei für Ateliers und Arbeitsräume der Kunstpädagogik der Goethe-Universität genutzt. Daran wollen wir anschließen und den Raum wieder den Studierenden als Ateliers und Ausstellungsflächen zur Verfügung stellen sowie auch allen anderen Menschen öffnen, die Interesse an kreativer oder handwerklicher Arbeit haben.

Darüber hinaus öffnen wir mit diesem Raum die Möglichkeit eines breiten gesellschaftlichen Zusammenkommens und wollen damit Austausch und gemeinsame Organisierung fördern. Durch die Kommerzialisierung aller Räume Frankfurts gibt es kaum Orte für Austausch, Kreativität oder einfach nur zum Sein. Bestehende Projekte und Initiativen suchen händeringend nach Räumen – oder müssen wegen zu hoher Mietkosten ausziehen. Wir wollen einen Ort für Alle schaffen. Einen Ort intergenerationalen Austausches, an dem gelernt, gelehrt, gesprochen, diskutiert, erinnert, getrauert und gefeiert werden kann – einen Ort, an dem Menschen teilhaben können, ohne Geld ausgeben zu müssen.

Das Gebäude ist das einzige Überbleibsel des industriellen Bockenheims. Es gehörte ehemals der jüdischen Familie Dondorf. Teilen der Familie gelang die Flucht aus Nazi Deutschland, andere starben unter den schrecklichen Bedingungen in den Ghettos.

Die ehemalige Dondorf-Druckerei ist somit ein historisches Gebäude und Mahnmal der NS-Geschichte in Frankfurt. Unterschiedlichste Bürger Inneninitiativen aus dem Stadtteil haben dies bereits vor Jahren erkannt und setzen sich seitdem mit der Geschichte des Gebäudes auseinander, machen diese sichtbar und kämpfen für dessen Erhalt.

Bei dem Erhalt dieses Gebäudes geht es also auch um das Gedenken an die Verfolgung der jüdischen Familie Dondorf durch die Nazis und zieht damit die Universität, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen in Verantwortung, eine Erinnerungskultur in der Praxis zu ermöglichen, die über symbolische Worte und Fassaden hinausgeht. Neben einer Ausstellung zur NS-Geschichte des Gebäudes werden hier solidarische Orte der politischen Bildung entstehen. Der Abriss steht für einen Umgang mit dieser Geschichte des Schweigens und Verdrängens, der van der Goethe Universität auch am IG-Farben-Campus bekannt ist.

3. Wir fordern, dass die Dondorf-Druckerei zu einem Pilotprojekt für eine Umbauordnung wird!

Für die Einhaltung der 1,5°C-Grenze müssen dringend die Musterbauordnungen nachgebessert werden, sodass die Sanierung von Bestandsbauten wie der Dondorf’schen Druckerei erleichtert und gefördert wird. Der Bausektor trägt eine große Verantwortung und ein enormes Potenzial, das jedoch derzeit durch gesetzliche Rahmenbedingungen gehemmt wird. Deshalb haben die A4F konkrete Änderungsvorschläge der Musterbauordnung zu einer “MusterUmbauordnung” ausgearbeitet.

Die Sanierung des Gebäudes ist notwendig und sie ist möglich. Sie muss von der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen ermöglicht werden.

Das Gutachten des MPI war von Anfang nicht auf eine Erhaltung des gesamten Gebäudes ausgelegt und wurde im Ortsbeirat 2 Bockenheim auch aus fachlicher Perspektive stark kritisiert.

Wir wenden uns also an die Universität und das Land Hessen: Dieses Gebäude ist offensichtlich nicht für die Nutzung durch das MPI geeignet! Ein weiterer Neubau widerspricht allen Erkenntnissen und der Notwendigkeit, den Bausektor auf den Erhalt von Gebäuden neu auszurichten.

Wir in Bockenheim haben kein Interesse an einem weiteren energieverschwendenden Neubau, den wir hier nicht brauchen. Insbesondere in den aktuellen Krisen brauchen wir nicht- kommerziellen öffentlichen Raum für Kultur, Arbeit, Erinnerung und Austausch. Wir brauchen eine nachhaltige und soziale Baupolitik, die erhält und nicht abreißt, die den Menschen Orte zum Wohnen, zum Organisieren, zum Gestalten und zur gesellschaftlichen Teilhabe ermöglicht.

Die ehemalige Dondorf-Druckerei wird ein selbstverwaltetes Zentrum: Die Druckerei für Alle!

Machen wir kaputt, was und kaputt macht! Bauen wir auf, was uns aufbaut!