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Aktueller Stand der Räumung

Pressemitteilung vom späten Abend des 14.12.2023

Wie schon seit heute Mittag, ist die Räumung nicht mehr aktiv im Gange. Doch es befinden sich weiterhin Personen auf dem Dach der Dondorf-Druckerei. Die Polizei hat das Gelände abgeriegelt und bewacht es.

Diejenigen, die sich entschieden haben, freiwillig das Dach zu verlassen, wurden mit falschen Versprechen, keine Strafanzeigen oder Aufenthalte in der GeSa erwarten zu müssen, vom Dach gelockt. Das geschah dennoch. Das ist keine Überraschung – wir wissen, wir können der Polizei nicht vertrauen. Sie zeigt uns das unter anderem immer wieder, indem sie gesellschaftlich erkämpfte und belebte Projekte zerstört.

In diesem Fall setzt sie auf ein gezieltes Aushungern der Menschen. Ihnen wird der Zugang zu Essen und Trinken verwehrt, sie haben keinerlei Schutz vor der Kälte und müssen dem Druck der sie ständig bewachenden Polizist*innen stand halten.

Doch davon lassen sie sich nicht klein kriegen! Sie gehen nicht kampflos, wenn es keine klaren Zusagen und Taten gibt. Und sie gehen nicht wenn ihnen und allen ein Teil der Stadt genommen wird.

Zeitgleich ist seit dem Abend der Raum in dem die studentische Vollversammlung an der Goethe-Universität stattfand, besetzt. Denn auch an der Universität werden Versprechen von Freiräumen nicht eingehalten. Es zeigt sich: Freiräume müssen sich überall von unten selbst erkämpft werden!

Das Kollektiv „Die Druckerei“ wurde von Seiten der Stadt für morgen den 15.12. zu einem Gespräch mit der Universität und dem Land Hessen eingeladen, an dem es auch teilnehmen wird. In welcher Form die Universität teilnehmen wird und ob überhaupt das Land Hessen teilnehmen wird ist unklar.

Das Kollektiv fordert die Goethe-Universität auf, ihre leeren Worte, wahr werden zu lassen und den Gesprächen Taten folgen zu lassen. Außerdem fordert es das Land Hessen, insbesondere die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Angela Dorn auf, der Einladung zu folgen und an einem Gespräch mit dem Kollektiv teilzunehmen.Nur so kann über die Zukunft der Dondorf-Druckerei entschieden werden.

zum Räumungsversuch der Dondorf Druckerei

Pressemitteilung vom Donnerstag, den 14.12.2023, 16:30 Uhr


Am frühen Morgen des 14.12.2023 begann die Polizei Frankfurt mit der Räumung der Dondorf Druckerei. Dies tat sie gewaltvoll, zwei Aktivistinnen, die sich in einer Menge als Unterstützung vor den Toren versammelten, wurden festgenommen sowie zahlreiche Menschen durch körperlichen Zwang und Schläge vom Bürgersteig entfernt. Nach einigen Stunden hatte die Polizei das Gebäude sowie das Außengelände geräumt, es fehlte lediglich das Dach, wo sich mehrere Aktivistinnen aufhielten und dies auch immer noch tun.


Um 14:15 Uhr gab die Polizei Frankfurt bekannt, dass man aus Sicherheitsgründen ausharre und dass Dach nicht räumen könne. Man könne ja immer noch freiwillig gehen; eine höhnische Aussage, wenn
die Repression an die Dachluke klopft. Was tatsächlich von der Universität freiwillig getan werden könnte, wäre den Strafantrag zurückziehen und sich endlich auf Augenhöhe zu begegnen.

Die Polizei hat es bisher nicht geschafft, die Räumung zu vollziehen und es scheint als warteten sie nun darauf, dass die Aktivist*innen das Dach freiwillig verlassen und damit deren körperliche und mentale Gesundheit aufs Spiel setzen. Dass zu diesen primitiven Mitteln gegriffen wird zeigt, dass das Kollektiv jetzt bereits einen Teilsieg über den Repressionsapparat und im Kampf um Freiräume und für eine ökologische Stadt von unten für Alle errungen haben. Das Kollektiv fordert das Land Hessen, sowie das Präsidium der Goethe Universität Frankfurt erneut auf, mit uns in Verhandlungen zu treten. Oder wollt ihr die Aktivisti bei Wind, Wetter, Kälte ohne Essen und Trinken auf unbestimmte Zeit dort oben festhalten?


Für Verhandlungen stehen wir weiterhin zur Verfügung.


„Die Menschen, die sich aktuell noch auf dem Dach befinden, sind nicht bereit dieses freiwillig zu räumen, solange die Dondorf Druckerei von der Polizei belagert und abgeriegelt ist. Falls notwendig
verbringen sie dort oben die Nächte!“, ergänzt Jule Liebig.

Ultimatum der Goethe-Universität

Pressemitteilung vom 13.12.2023

Am Montag und Dienstag fanden vom Kollektiv „Die Druckerei“ initiierte Gespräche mit der Goethe-Universität statt, und das obwohl, die Versuche die Universität und die anderen Akteure zu kontaktieren unbeantwortet blieben.

Die Information, dass bereits seit Samstag ein Strafantrag gestellt wurde erfuhr das Kollektiv jedoch nur durch die Presse. Das ist kein Gespräch auf Augenhöhe.

Die Goethe-Universität forderte das Kollektiv „Die Druckerei“ in den Gesprächen auf, das Gebäude der Dondorf-Druckerei bis Mittwoch den 13.12.2023 um 16 Uhr freiwillig zu verlassen. Wenn dies geschähe, gebe es laut der Universität keine Räumung und die Aussicht auf ein Unterstützungsangebot in Gesprächen mit dem Land Hessen. Das Kollektiv lehnt diese unklaren Versprechen jedoch ab. Denn die Ergebnisse, sind keine einer Verhandlung, sondern nur das Anliegen der Universität mit der Drohung einer Räumung untermauert.

In der jüngsten Vergangenheit hat die Goethe-Universität mehrfach gezeigt, dass sich auf Versprechen und Zusagen nicht verlassen werden kann. Im Sommer wurden die Verhandlungen von Seiten der Goethe-Universität ohne Mitteilung abgebrochen und die Druckerei wurde geräumt. Außerdem kam letzte Woche heraus, dass es kein Studierendenhaus auf dem IG-Farben Campus geben wird. Dies war der Universitätsleitung bereits lange bekannt, sie verschwiegen es jedoch.

Die Unterstützungsangebote nur an das Verlassen des Gebäudes zu knüpfen stellt das Kollektiv vor die Frage: Warum ist diese Unterstützung nur möglich, wenn sie das Gebäude verlassen? Wäre das Anliegen der Goethe-Uni so wichtig, würde sie das Kollektiv auch unterstützen, während sie weiterhin das Gebäude sinnvoll nutzen.

Denn in der Zwischenzeit stand das Gebäude leer, da die Universität, das Max-Planck-Institut und das Land Hessen keine Lösung gefunden haben. Es ist immer noch unklar ob das Gebäude erhalten bleibt oder es klimaschädlich abgerissen und neu erbaut wird und die Geschichte des Gebäudes verloren geht.

Außerdem ist unklar wie das hessische Ministerium nach dem Amtsantritt der neuen Regierung zu diesen Gesprächen stehen würde. Die Universität gibt Versprechen die sie nicht garantieren kann.

Für die Menschen, die das Gebäude nutzen, kann es keinen Leerstand in der Druckerei geben. Das Kollektiv hat in den vergangenen Monaten an einem Nutzungskonzept mit vielen Nachbar*innen und Initiativen aus Bockenheim und des Kulturcampus gearbeitet, welches zeigt, dass das Gebäude einen nicht-kommerziellen Raum für Kultur, Zusammenkunft und Gesellschaft, der in Frankfurt dringend gebraucht wird, schaffen kann. Denn bereits seit Jahren kämpfen Initiativen für den Kulturcampus, der immer wieder nach hinten geschoben wird.

Das Kollektiv fordert, dass die Universität beantragt, ihren Nutzungsvertrag zu verlängern und ihrer Verantwortlichkeit nachkommt, das Gebäude in dem guten Zustand, den es im Sommer hatte herzustellen. Damit es sinnvoll genutzt werden kann.

Außerdem soll der Strafantrag sofort zurückgenommen werden, damit eine tatsächlich faire Verhandlungsbasis geschaffen werden kann.

Eine Räumung kann nur mit dem Räumungsbefehl geschehen, welchen es bei der letzten Räumung nicht gibt. Deswegen läuft bereits seit vergangenem Sommer eine Klage.

Der Zustand in dem das Kollektiv die Dondorf-Druckerei vorgefunden hat zeigt, dass das Gebäude in der Hand des Kollektivs besser verwaltet ist.

Deswegen geht es auch heute weiter und es findet weiterhin Programm statt. Um 15 Uhr sind die Tore für ein Hoffest geöffnet, um zu zeigen, dass der Raum benötigt, genutzt und wiederbelebt wird!

Die Dondorf-Druckerei wurde wieder besetzt!

Pressemitteilung vom Sonntag, den 10.12.2023


Die Dondorf-Druckerei wurde am 09. Dezember nach einer ersten Besetzung im Juni 2023 erneut besetzt! Das Kollektiv “Die Druckerei”
betont, dass sie weiterhin für den Erhalt des historischen Gebäudes mitten in Bockenheim kämpft. Das Kollektiv kritisiert den geplanten Abriss nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus einer sozialen Perspektive. Laut Kollektiv fehlt es in Frankfurt massiv an zugänglichen Freiräumen, die von der Nachbarschaft getragen und geprägt sind.

Kurz nachdem die Besetzer*innen sich Zugang zum Gelände verschaffen konnten, wurde das Eingangstor durch Beamt*innen blockiert, es kam vonseiten der Polizei zu Handgreiflichkeiten. Ein Mitglied des Kollektivs wurde verletzt. Eine Spontankundgebung mit Live-Musik fand statt. Die Polizei konnte keinen der Verantwortlichen seitens der Goethe-
Universität erreichen, sodass am ersten Tag der Wieder-Besetzung kein
Strafantrag erfolgte.
Nach drei Stunden des Ausharrens vor der Druckerei
wurden die Tore wieder geöffnet, die Polizei rückte ab.

Das Programm am Sonntag war sehr umfangreich. Das Gelände war geöffnet, es gab Führungen, welche die historische Geschichte der Dondorf-Druckereithematisiert haben und verschiedene Kreativ-Workshops, ein Filmabend bildete den Abschluss. Der Kerngedanke der Aktivist*innen wird auch bei dieser Besetzung beibehalten: die Druckerei ist ein Ort für alle. Es bestehen immer Möglichkeiten, niedrigschwellig Räume zu nutzen und eigene Ideen und Projekte umzusetzen. Es wird für die Zeit der Besetzung weiterhin offene Plena geben, sodass Menschen sich neu in das Projekt einbringen und ihre Ideen in der Druckerei verwirklichen können. Das Kollektiv hat für die nächsten Tage weiteres Programm angekündigt.


Jule Liebig, Sprecherin für “Die Druckerei” betont: “Die Druckerei gehört in öffentliche Hand! Es kann nicht sein, dass ein so großes Areal mitten in
der Stadt brach liegt und verfällt!
Wir haben uns in den letzten Monaten sehr ausführlich damit beschäftigt, ein Nutzungskonzept zu erarbeiten und haben damit bereits vorhandene Ideen direkt an Räume zu koppeln. In der Zeit, in der die Druckerei leer stand, hat sich der Zustand des Gebäudes massiv verschlechtert, weil die Universität nicht zum Erhalt der Substanz beigetragen hat. Stattdessen haben wir ein völlig vermülltes Haus vorgefunden, womit offensichtlich wird, dass die Universität keinerlei Interesse hat, das Gebäude zu erhalten. Wir sind erschüttert, aber nicht überrascht! Die Goethe-Universität hat in den letzten Monaten immer wieder bewiesen, dass ihr nicht sonderlich viel an politischem Diskurs liegt, er viel eher versucht wird, zu unterbinden. Wie schon im Sommer scheint ihr ebenfalls nichts an Kommunikation auf Augenhöhe zu liegen – nicht mal die Aufforderung zu gehen wurde direkt an uns gerichtet, sondern lediglich auf der Homepage der Universität veröffentlicht. Der Zustand, in dem wir das Haus vorgefundenhaben, zeigt uns nur zu gut, dass das Haus bei uns definitiv in besseren Händen ist.”


Das Kollektiv ist bereit, in Verhandlung mit dem Land Hessen, der Goethe-Universität und der Max-Plank-Gesellschaft zu treten.

Wieder-Eröffnung der Druckerei: Leerstand beendet – die Druckerei lebt!

Pressemitteilung vom 9. Dezember 2023

Die Dondorf Druckerei hat ihre Tore wieder geöffnet. Das Kollektiv Die Druckerei hat erneut das Gelände besetzt, um es als nicht-kommerzielles und selbstverwaltetes Kultur- und Bildungszentrum der Stadtgesellschaft und ihren Besucher*innen zugänglich zu machen.

Die Dondorf Druckerei dürfte seit dem Sommer 2023 vielen ein Begriff geworden sein. Wir besetzten das zuletzt von der Goethe-Universität genutzte, über einhundert Jahre alte Gebäude, welches trotz des großen Widerstands der Bockenheimer Zivilgesellschaft abgerissen werden sollte, um dort einen Neubau für das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik zu errichten.

Widerstand gab es, weil ein Abriss und Neubau vermeidbare CO₂-Emissionen mit sich bringen würde. Außerdem sind bereits viele Ressourcen in das Gebäude geflossen, die im Sinne einer nachhaltigen Baupolitik, wie sie die Architects for Future fordern, weiter genutzt werden sollten. Denn die Klimakrise zeigt bereits auf der ganzen Welt ihr Gesicht und lässt klar erkennbar werden, dass jetzt Veränderungen implementiert werden müssen.

Widerstand formierte sich, weil das Gebäude einen Teil jüdischer Geschichte in Frankfurt abbildet. In dem Gebäude befand sich die Druckerei der jüdischen Familie Dondorf, die, nachdem sie ihre Druckerei verkaufen musste, von den Nazis verfolgt und teilweise ermordet wurde. Ein Abriss würde die historische Bedeutung des Gebäudes und die Erinnerung an jüdisches Leben während der NS-Zeit zerstören. Eine historische Aufarbeitung wie sie die Initiative Dondorf-Druckerei geleistet hat, hätte kaum Platz und Relevanz in einem Neubau der Max-Planck-Gesellschaft.

Widerstand kam auf, weil in Frankfurt, wo wachsende Verdrängung und steigende Wohnungslosigkeit auf der Tagesordnung stehen, Leerstand keine Option sein darf. Viele Initiativen kämpfen seit Jahren für mehr freie und nicht-kommerzielle Räume, die mit Kunst, Erinnerungskultur, und politischem Engagement gefüllt werden können. Ein Gebäude ungenutzt stehen zu lassen, um es dann abreißen zu wollen, ist eine Farce.

Damals wie heute kämpfen wir, gemeinsam mit der Initiative des Kulturcampus, für offeneRäume für Kultur, Politik und eigenmächtige Gestaltung auf dem Campus Bockenheim.

Mit dem MPIEÄ würde ein akademisches Prestige-Projekt nach Bockenheim ziehen, welches eine kulturelle Elite anzieht und keinen Raum für selbstorganisierte Kultur bietet. Die Verdrängung und Gentrifizierung wird damit vorangetrieben. Mit uns hingegen gewinnt der Stadtteil einen offenen Raum, der von den Bockenheimer*innen selbst gestaltet werden kann und somit bedarfsgerecht funktioniert.

Im Juni konnten wir die Türen der Dondorf Druckerei für kurze Zeit öffnen. Jeden Tag sind junge und alte Menschen aus Bockenheim und ganz Frankfurt ein- und ausgegangen, haben gesungen, getanzt, diskutiert, gelernt, gestaltet – den Raum so genutzt, wie sie ihn brauchen. Doch am 12. Juli ließ die Goethe-Universität Frankfurt das Gelände räumen. Seitdem, also seit fast 5 Monaten steht das Gebäude leer. Und das, obwohl wir in den Wochen, in denen die Druckerei geöffnet war, gezeigt haben, dass wir und andere Initiativen, Gruppen und Nachbar*innen, dieses Gebäude mit neuem Leben füllen können. Es ist deutlich geworden: Der Bedarf an nicht-kommerziellen Räumen ist und bleibt hoch. Ebenso können wir mit unserem Nutzungskonzept darstellen, dass wir das Gebäude direkt nutzen und den Leerstand beenden können. Doch stattdessen soll das Gebäude leerstehend bleiben, bis der Prozess mit der Max-Planck-Gesellschaft zu einer Lösung kommt – wann auch immer diese sein mag. Allein in dieser Zeit kann das Gebäude von uns sinnvoll genutzt werden.

Der Diskurs um den Erhalt des Gebäudes wurde zwar neu entflammt, doch wir oder andere Menschen aus dem Stadtteil können wie auch schon zuvor nicht an folgenschweren Diskussionen um die Dondorf Druckerei teilnehmen. Denn bereits im Vorhinein gab es keine transparente Kommunikation des Landes Hessen oder der Max-Planck-Gesellschaft über die Abrisspläne. Erst als der lokale Ortsbeirat diese einforderte, stellte die MPG seine Pläne dort vor. Doch das Gutachten, welches den Abriss für nötig erklärte, ist bis heute nicht öffentlich zugänglich. Die Forderung nach Mitbestimmung bei der Gestaltung des Stadtteils wird sowohl vom MPI als auch vom Land Hessen und Universität ignoriert. Wir möchten mit am Tisch sitzen, wenn es um die Zukunft der Stadt geht. Doch zeitgleich nehmen wir die Dinge selbst in die Hand und gestalten den Stadtteil mit seinen Bewohner*innen aktiv selbst. Deswegen öffnen wir heute erneut die Tore der Druckerei für alle. Kommt vorbei und werdet Teil der Druckerei!

Wir kämpfen weiterhin für den Erhalt des Gebäudes und die Nutzung als kulturelles Zentrum für die Stadtgesellschaft – Für eine Stadt von allen für alle!

Dondorf Druckerei geräumt – “Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“

Heute, am 12. Juli, um 6:30 wurden die Bewohnerinnen der Dondorf-Druckerei von maskierten Männern des hessischen Sondereinsatzkommandos mit gezogenen Waffen geweckt und aus ihren Betten gezerrt. Damit wurden sie ihrem Grundrecht, der Unverletzlichkeit der Wohnung, beschnitten. Das ist eine Gewalterfahrung. Eine Person überwies der Goethe-Universität, die das Nutzungsrecht des Gebäudes innehat, Miete. Mehr als 30 Personen befinden sich in Polizeigewahrsam. Einige Bewohnerinnen wurden von der Polizei sogar nach Darmstadt
gebracht. Es müssen Konsequenzen für die Verantwortlichen folgen!

Verantwortlich für die Räumung ist zum einen das Präsidium der Goethe-Universität, namentlich Präsident Enrico Schleiff und Sebastian Keil, Leiter des Leitungsbüros. Zum anderen die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, die Mitglied der Grünen ist.


Für den Erhalt des Gebäudes, das einer jüdischen Familie gehörte, kämpfen Anwohnerinnen des Stadtteils Bockenheim in Frankfurt bereits seit 2006. Es ist ein Industriedenkmal, genauso wie es an die Verfolgung von sechs Millionen Jüd*innen und Juden erinnert. Die Mitglieder Familie Dondorf wurden verfolgt, ermordet und in den Selbstmord getrieben. Nun soll auch die letzte Erinnerung an sie weichen. Deutschland, der Erinnerungsweltmeister, entledigt sich
wieder einmal jeder Schuld. Das ist ein politischer Skandal und zeugt von Geschichtsvergessenheit der handelnden Akteurinnen.

Nicht nur ist die Räumung aus rechtsstaatlicher Perspektive problematisch, auch die demokratischen Gremien der Goethe-Universität wurden übergangen. Erst im Frühjahr, nach der gewaltsamen polizeilichen Räumung der Hörsaalbesetzung im Dezember 2022, hatte der Senat, das höchste politische Gremium der Goethe-Universität, ein Beschluss verabschiedet, der erklärt, dass die Universität ein gewaltfreier Raum des Dialogs sei, in der die Sicherheit aller zu gewährleisten sei. Dieser Beschluss war eine Reaktion auf die massive Kritik an dem Polizeieinsatz auf dem Campus, der sich gegen die eigenen Studierenden richtete. Der Leiter des Leitungsbüros, Sebastian Keil und Präsident Schleiff setzen sich heute über diesen Senatsbeschluss hinweg, indem sie erneut statt des Dialogs der Weg der polizeilichen Räumung wählen.

Dies geschieht insbesondere, nachdem wir, Die Druckerei für Alle!, erst gestern alle Akteurinnen erneut angesprochen, zum Dialog und zu weiteren Verhandlungen eingeladen hatten. Die Reaktion der Universität auf dieses Dialogangebot sehen wir heute: die gewaltsame
Räumung.


Der Vorstand des Frankfurt Kreisverbandes der Grünen ist außerdem gestern, also Dienstag, den 11.07., auf uns zugekommen, um gemeinsame Gespräche mit Angela Dorn, der verantwortlichen Ministerin der Grünen auf Landesebene zu arrangieren. Dabei sollten auch das Max-Planck-Institut (MPI), das selbst in den Nationalsozialismus verstrickt war, und die Initiative Kulturcampus Bockenheim sowie die fachliche Perspektive durch Architektinnen vertreten sein, um über die Nutzung und den Erhalt des Gebäudes zu sprechen. Wie sich Angela Dorn und die Grünen ein solches Gespräch vorstellen, während ihre Gesprächspartnerinnen zugleich mit ihrem Wissen und ihrer Zustimmung gewaltsam durch die Polizei geräumt werden, bleibt unklar.

Angela Dorn bleibt sich mit diesem Vorgehen gegen einen zentralen Erinnerungsort für die jüdische Geschichte Frankfurts treu in ihrer mangelnden Solidarität gegenüber jüdischen Menschen in Hessen. Schon während des Documenta-Skandals in Kassel letzten Jahres hatte sich die Ministerin lange zurückgehalten und wollte auf die Antisemitismus-Vorwürfe partout nicht eingehen. Erst nach großem öffentlichem Druck und zahlreicher Kritik seitens jüdischer Organisationen konnte sich dazu durchringen, nicht ohne trotzdem gleichzeitig noch die großartige Arbeit der verantwortlichen Organisatorinnen zu loben.

Zudem steckt das 150 Jahre alte Druckerei-Gebäude voller Grauer Energie. Gemeint ist damit die Energie, die bereits aufgewendet wurde, um das Gebäude zu bauen und zu erhalten und die darin gebunden ist. Mit einem Abriss und dem geplanten Neubau würden, nach Architects for Future, deutlich über einer Millionen Kilogramm CO₂ auf einmal ausgestoßen werden, die auch durch einen energieeffizienteren Neubau nur zu ca. 50 Prozent wieder eingespart werden könnten. Sanierung ist ökologischer als Neubau!


Dass dieses Gebäude rein fachlich erhalten bleiben kann und stabil ist, wurde in den letzten Wochen mehrfach durch Architektinnen und Bauunternehmerinnen bestätigt. Dass Angela Dorn, als Ministerin der Grünen, offensichtlich kein Interesse an diesen ökologischen
Aspekten und der Schaffung von kulturellen Räumen hat, ist schockierend und bezeichnend.


Die Räumung des Gebäudes und der Menschen, die dort wohnten, hat zum jetzigen Zeitpunkt keinen ersichtlichen Grund. Es fanden dort bereits seit Wochen täglich Veranstaltungen und Führungen statt, es gab ein freundliches und solidarisches Verhältnis mit den Mitarbeiter*innen des ansässigen Archivs der Goethe-Universität und keine Vorfälle, die eine Gefährdung von Menschen oder dem Gebäude implizieren könnten. Die Übergabe des Gebäudes an das MPI hätte frühestens im November 2023 stattfinden sollen, nun wird es bis dahin leer stehen.


Wir dagegen haben durch die Nutzung gezeigt, dass diese Freiräume hier in Frankfurt gebraucht werden. Die verantwortliche Ministerin Angela Dorn und die Universität haben jedoch gezeigt, dass sie kein Interesse an einer ökologischen Bauwende, an der Erinnerung jüdischen Lebens in Frankfurt und der Schaffung von kulturellen Räumen haben.


Das MPI hat ebenfalls gezeigt, wie es sich seinen Einstand hier in Bockenheim vorstellt. Mit dieser autoritären Durchsetzung, gegen den demokratischen Willen des Ortsbeirats und der Initiativen hier in Bockenheim und der Menschen, die hier leben, ist fraglich, wie sich das MPI eine Zusammenarbeit mit dem geplanten Kulturcampus vorstellt. Dieser Kulturcampus entsteht nur aufgrund von Protesten und Initiativen wie unseren. Was das MPI davon hält,
haben sie deutlich gezeigt. Nämlich nichts.

  1. Wir fordern, dass die gewaltsame Räumung Folgen für die Verantwortlichen haben muss. Angela Dorn und das Präsidium der Goethe-Universität müssen zurücktreten.
  2. Wir sehen auch, dass die Dondorf-Druckerei noch nicht verloren ist. Wir fordern weiterhin, wie dies unter anderem der Ortsbeirat Bockenheim beschlossen hat, ein Abrissmoratorium für das Gebäude. Diese Beschlussvorlage liegt im Bauausschuss der Stadt Frankfurt. Die Stadtverordneten sind nun zum Handeln gezwungen – sie können den Erhalt des Gebäudes sichern und auch sie tragen Verantwortung.
  3. Dann fordern wir das Land Hessen auf, sich der klima- und erinnerungspolitischen Verantwortung zu stellen und dem MPI ein anderes Grundstück zuzuweisen.


Heute Abend wird es um 19 Uhr für es eine Demonstration auf dem Bockenheimer Campus
stattfinden. Wir laden alle Menschen herzlich sich für den Erhalt der Dondorf-Druckerei
einzusetzen.


Das ist ein Skandal auf allen Ebenen. Wir sind erschütternd und wütend. Viele unserer Freund*innen haben Gewalt von Seiten des Staates erlebt.“, sagt Lukas Geisler, Sprecher der Druckerei. „Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Die Druckerei steht exemplarisch für vieles, was gerade schiefläuft: eine enttäuschende Klimapolitik und autoritäre Trends – im Staat und in der Gesellschaft. Mit Blick auf die Landtagswahl haben die Grünen abermals gezeigt, dass sie nicht auf der Seite der aktiven Zivilgesellschaft stehen.“


„Schon vor Monaten hatte sich der Ortsbeirat Bockenheim gegen einen Abriss ausgesprochen. Initiativen in Bockenheim fordern schon lange ein Mitspracherecht ein. Das autoritäre Vorgehen der Universität des Landes Hessen ist massiv undemokratisch.“ Sagt Gianna Thiele, Sprecherin der Druckerei. „Das Max-Planck-Institut kann sich seinen Platz im Herzen des Kulturcampus nicht polizeilich erzwingen. Dass Menschen einen willkommen heißen, kann man so nicht erwarten. Eines ist klar, so wollen wir euch hier sicher nicht!”

Goethe-Universität bricht einseitig Gespräche ab

Heute am 10.07.23 gegen 16 Uhr veröffentlichte die Goethe Universität Frankfurt eine Pressemitteilung, in welcher sie die aktuelle Situation der Druckerei adressierte und uns zum Verlassen der historischen Dondorf Druckerei aufforderte. In der Pressemitteilung heißt es, dass ein zweites Gespräch stattgefunden hat. Das können wir nicht bestätigen. Was genau der „Dialogprozess“ nach dem einseitigen Abbruch der Gespräche sein soll, bleibt ebenfalls unklar.


Nach unserem ersten und bisher einzigen Gespräch mit den Vertretern der Goethe-Universität, des Landes Hessen und des Max-Planck-Instituts, verblieben wir mit einem ausstehenden Folgetermin für die offiziellen Verhandlungen. Zu einem solchen ist es bis zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht gekommen.

Stattdessen erreichte uns kurzfristig eine Mail mit einer Ankündigung eines unmittelbar bevorstehenden Besuches seitens der Goethe-Universität. Um 12:21 teilte uns Sebastian Keil, Leiter des Leitungsbüros der Goethe-Universität, mit, dass er um 13 Uhr vor Ort sein wird.

Diesen Termin konnten wir aufgrund der Spontanität nicht wahrnehmen. Wir bedauern, dass dementsprechend bisher keine Folgegespräche stattfinden konnten. Diese können nur mit einer weiter im Voraus stattfindenden Terminplanung erfolgen. Entgegen der Pressemitteilung der Goethe-Universität haben bisher keine weiteren Gespräche mit uns stattgefunden.

Deswegen verbleiben wir mit den Zusagen der ersten Gespräche, in denen uns ein weiterer Dialog versichert wurde. An diese Zusage wollen wir alle Beteiligten erinnern und haben die
Verantwortlichen zu weiteren Verhandlungen mit folgender Mail eingeladen:


„Sehr geehrtes Präsidium der Goethe-Universität,
sehr geehrtes Max-Planck-Institut, sehr geehrtes Land Hessen,
angesichts der ersten positiven Verhandlung und der gemeinsamen Absicht, die Treffen fortzusetzen, möchten wir gerne den Folgetermin mit Ihnen festlegen. Der heute Mittag mitgeteilte Termin war leider zu kurzfristig, sodass niemand von uns anwesend sein konnte.


Angesichts des großen Anklangs im Stadtteil und der regen Beteiligung vieler Initiativen, Gruppen und Studierenden würden wir uns freuen, Sie bei der Ausgestaltung der Weiternutzung einzubinden. Wie besprochen teilen wir Ihnen vorab mit, dass sich bezüglich der Organisation der aktuellen Nutzung der Atelier- und Wohnräume eine
Lösung gefunden hat. Unter der unten genannten Adresse erreichen Sie unsere Vertreter, die sich um die Verwaltung der von Einzelpersonen und unabhängigen Gruppen genutzten Räume kümmern.


Bitte machen Sie uns zwei Terminvorschläge, wir laden Sie gerne zu uns ein.


Mit freundlichen Grüßen
Die Druckerei“


Wir arbeiten weiter mit unterschiedlichsten Initiativen, Nachbarinnen und Studierenden an dem Aufbau Der Druckerei für Alle! – der einzige Weg das historische Gebäude zu erhalten!

Sollte es trotz allem zu einer Räumung kommen, werden wir gemeinsam mit allen Unterstützerinnen, am selben Tag um 19 Uhr am Campus Bockenheim zusammenkommen und
unseren Protest auf die Straße tragen!


„Die Professionalität von Sebastian Keil und des ganzen Präsidiums der Goethe-Universität lässt aus unserer Sicht zu wünschen übrig. Mit solchen Kurzschlussreaktionen wird jeder Dialog vereitelt.“, sagt Lukas Geisler, Sprecher der Druckerei. „Wir fordern die Goethe-Universität, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen auf, sich der klimapolitischen Verantwortung zu stellen und einen Abriss mit einem sofortigen Moratorium zu verhindern. Nur so kann in Ruhe und im Dialog über die Zukunft der Dondorf-Druckerei zusammen nachgedacht werden.“


„Schon vor Monaten hatte sich der Ortsbeirat Bockenheim gegen einen Abriss ausgesprochen. Das wird bisher ignoriert. Die Menschen aus dem Stadtteil, unzählige Initiative aus der ganzen Stadt unterstützen die Erhaltung und nutzen die Räumlichkeiten als Ateliers, Proberäume und Veranstaltungsort.“, sagt Gianna Thiele, Sprecherin der Druckerei. „Die Entscheidung über die Zukunft der Druckerei sollten die Menschen aus Frankfurt selbst treffen können. Das ist unsere Stadt – und diese lassen wir uns nicht nehmen.”

Programm-Übersicht in der Druckerei 04.07-11.07

Falls ihr Euch gefragt habt, was so in nächster Zeit in der Druckerei abgeht, hier eine kleine Übersicht der aktuellen Programmpunkte (Änderungen vorbehalten).

Grundsätzlich gilt weiterhin: kommt vorbei, wie ihr lustig seid, bringt Euch ein, oder seid einfach da und genießt den fantastischen Haus-Besetzungs-Sommer mit uns!

04.07. ab 16 Uhr
Linol-Druck (Material vorhanden, come as you are)
“Druck in der Druckerei”

05.07. von 19 – 21 Uhr
offene Probe SHE Choir FLINTA* only

06.07. ab 19.30 Uhr
offene Probe Roter Stern Chor
“Trällern und Trinken”

07.07. von 17 – 19 Uhr
Capoeira für Groß & Klein.
Bitte Turnschuhe und Sportklamotten mitbringen

09.07. ab 11 Uhr
Yoga mit Anleitung

09.07. – Vernissage-Sonntag
Ausstellungseröffnungen von
fez (Feministische Zusammenkunft)
&
lily gothe – I need space

09.07., 20.15 Uhr
Filmvorführung in Gedenken an zwei gefallene Kämpfer in Rojava: “Bakur North”

10.07. ab 19 Uhr
offene Probe des akademischen Arbeiter*innenliederchors

11.07. ab 19 Uhr
öffentliches Programm-Plenum – bringt Euch ein!

11.07. von 18 – 20 Uhr
ror Trommelworkshop im Keller

11.07. ab 21 Uhr
Film-Abend in der Druckerei:”Dr. Strangelove – How I Learned To Stop Worrying And Love The Bombe”

Die Druckerei lebt!

Die Druckerei steht und lebt!

Programm für die nächsten Tage
heute, 28.06.2023:
18 Uhr Aerobic gegen Abriss

morgen, 29.06.2023:
ab 15 Uhr Hofflohmarkt, Kleidertauschparty und Musik

Freitag, 30.06.2023
ab 19 Uhr Antifa-Kneipe
(Vortrag und Diskussion zu Community Accountability mit e*space)

Morgen, Donnerstag den 29.06. finden erste Verhandlungen mit den Stakeholdern des Gebäudes der Dondorf-Druckerei statt. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Rechte Bedrohung

Die Besetzung wurde die letzten zwei Tage geduldet, jedoch wurden Menschen des Kollektivs bedroht und angegriffen. Die Angreifer, die zum Haus gekommen sind und dort die von außen angebrachten Transparente und von Besucher:innen gemalten Bilder abgerissen haben, konnten als Mitarbeiter der Goethe-Universität identifiziert werden. Dabei fiel auch der Satz „diese Leute sollte man totschlagen“. Eine der Personen hatte eine offen getragene Tätowierung, welche der rechten Szene zuzuordnen ist.
Als die Personen ein zweites Mal zum Haus kamen, haben sie die Menschen, die sich zurzeit auf dem Hof befanden, verbal attackiert und mit einem Cuttermesser bedroht. Sie konnten sich keinen Zutritt zum Gelände verschaffen.

Hannes, Sprecher des Bündnisses sagt: „Der Umstand, dass Uni-Mitarbeiter eine Besetzung aktiv bedrohen und Angst verbreiten, ist ein sehr bedenklich. Wir werden hier offen angefeindet dafür, dass wir einen neuen für Alle zugänglichen Freiraum erschaffen wollen. Dass die Uni Personen einstellt, welche offensichtlich rechtextremes Gedankengut teilen, wurde bereits öfters vom Asta kritisiert. Wir lassen uns aber nicht einschüchtern und werden unser geplantes Programm zur Belebung dieses Gebäudes weiterführen.“

Heute Abend um 18:00 Uhr sind Interessierte zu einer historischen Führung von der Bürgerinitiative zur Erhaltung der Dondorf-Druckerei eingeladen.